„Gemeinsam voneinander und miteinander lernen“

Erfahrungen auszutauschen und andere zu inspirieren war das zentrale Anliegen der zweiten Auflage des Werkstattgesprächs für Stiftungen und Stifter, einer handverlesenen Gesprächsrunde im Clubhaus des Württembergischen Automobilclubs. Stefan Barth, Geschäftsführer und Mitbegründer der AGAPEDIA Jürgen Klinsmann Stiftung gGmbH, Dr. Helmut Schelling, Stifter der Vector Stiftung, Edith Wolf, Vorstand der Vector Stiftung, und Benjamin Wolf, Stifter und Vorstand der Stiftung STAY, gaben in der Podiumsdiskussion Einblicke über ihre tägliche Arbeit und diskutierten mit den Organisatoren Silke Kirschenmann, Eric Bluschke (beide Ellwanger & Geiger Privatbankiers), und Dr. Dirk Schauer (Rechtsanwalt bei CMS Hasche Sigle), über aktuelle und künftige Herausforderungen für Stiftungen und Stifter.

In Deutschland gibt es zahlreiche Stiftungen mit den unterschiedlichsten Zielen und Aufgaben und auch viele Stiftungswillige. Austausch und Zusammenarbeit gelten trotzdem als eine große Herausforderung in der alltäglichen Arbeit der Stifter. „Wir sehen dies als wichtiges Thema für die Gesellschaft“, sagte Eric Bluschke. „Es geht uns um das gemeinsame Gespräch, den Austausch und die Vernetzung der Stiftungslandschaft. Deshalb sitzen verschiedenste Zielgruppen sowohl im Podium als auch im Publikum – Stifter, Stiftungsvorstände und Stiftungswillige“, betonte Silke Kirschenmann vor den rund 65 geladenen Gästen. 

Unter dem großen Motto „Entwicklung, die bleibt“ setzt sich die Stiftung STAY für nachhaltige Entwicklungshilfe ein. Sie unterstützt Sozialunternehmer in Entwicklungsländern, die aus eigenem Antrieb die Probleme des Landes lösen, dabei, ihre Arbeit mit Kindern und Erwachsenen vor Ort auszuweiten und zu optimieren. Denn wenn diese sich mit den Projekten identifizieren, habe die Hilfe auch Bestand, sagte Gründer und Vorstand Benjamin Wolf. Dabei ist es der 2013 gegründeten Stiftung wichtig, die Existenzgrundlage aller Menschen zu sichern und globale Gerechtigkeit zu schaffen.

Mit einem ähnlichen Ansatz unterstützt die AGAPEDIA Stiftung bereits seit den 1990er Jahren hilfsbedürftige und notleidende Kinder in Deutschland, Bulgarien, Rumänien und der Republik Moldau: Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Ziel aller Maßnahmen ist es, betroffenen Kindern direkt zu helfen und gesellschaftliche Entwicklungen durch nachhaltige Projekte zu unterstützen.

Erfolg verpflichtet – das war der Grundgedanke bei der Errichtung der gemeinnützigen Vector Stiftung, der die Gründer 60 Prozent der Firmenanteile an der Vector Informatik GmbH übertrugen. Heute fördert die Stiftung Projekte in den Bereichen Forschung und Bildung, vor allem mit dem Schwerpunkt der MINT-Fächer. Außerdem unterstützt die Stiftung darüber hinaus soziale Initiativen in der Region Stuttgart. Durch den gezielten Einsatz einer Familienstiftung neben der gemeinnützigen Stiftung ist es den Unternehmensgründern außerdem gelungen, den Fortbestand des Unternehmens zu sichern ohne der nachfolgenden Generation die Bürde aufzuerlegen, das Unternehmen zwingend selbst leiten zu müssen.

Kooperation auf allen Ebenen

Austausch und Zusammenarbeit war nicht nur der Kern der Veranstaltung, sondern auch das große Thema auf dem Podium. Besonders kleinere Stiftungen haben es vor dem Hintergrund der langanhaltenden Niedrigzinsphase schwer, alleine einen wirkungsvollen Impact zu erzielen. Zusammenführungen bzw. "Fusionen" von Stiftungen könnten ein Weg sein, damit umzugehen, wie Dr. Dirk Schauer in seinem Impulsvortrag erläuterte. Die rechtlichen Grundlagen dafür sind allerdings bislang von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, weshalb eine mögliche Reform zur Vereinheitlichung des Stiftungsrechts auf Bundesebene dabei bald Abhilfe schaffen könnte. Dr. Schauer beleuchtete knapp und prägnant den aktuellen Stand der Reformbemühungen und die wesentlichen Aspekte eines möglichen Reformgesetztes.

In der Diskussionsrunde fanden diese potentiellen Neuerungen großen Anklang. Allen voran hoben die Referenten den Aspekt hervor, dadurch intensiver zusammen arbeiten zu können.  „Stiftungen haben eigene Identitäten und könnten dadurch intelligent vernetzt kooperieren, um ähnliche Werte voranzutreiben. Wenn das jetzt im Gesetz verankert wird, finde ich das sehr spannend“, sagte Stefan Barth. „Es gibt viele kreative, aber kleine Stiftungen, die eine viel größere Aufmerksamkeit bekommen und schlagkräftiger werden, wenn sie sich zusammen tun“, sagte Edith Wolf. Kooperation bedeute aber auch, sich zurücknehmen zu können. Dort herrscht in der Stiftungsrealität noch Nachholbedarf, so die Referenten.

Sinnstifter Stiftungsarbeit

Ein weiteres Thema war die Motivation, sich in einer Stiftung zu engagieren oder gar eine solche zu gründen. Die Referenten waren sich einig, dass es sich um eine sinnstiftende Arbeit handelt und, dass sie ihr persönliches Engagement positiv beeinflusst. „Ich habe mich gefragt, wofür ich meine Lebenszeit einsetzen möchte. Die Antwort lautete: Armutsbekämpfung. Für mich ist das der Sinn des Lebens“, sagte Benjamin Wolf. Außerdem könne jeder einzelne mit Visionen vorangehen und dadurch andere motivieren. „Nicht für Aktionäre, sondern für eine Stiftung zu arbeiten, gibt auch unseren Mitarbeitern ein gutes Gefühl“, betonte Dr. Helmut Schelling. Es hätte für ihn und seine Mitstifter nie einen Moment der Reue gegeben.

Über das Werkstattgespräch für Stiftungen und Stifter

Unter dem Motto „Gemeinsam voneinander und miteinander lernen und andere inspirieren“ haben ELLWANGER & GEIGER Privatbankiers und CMS Hasche Sigle das „Werkstattgespräch für Stiftungen und Stifter“ ins Leben gerufen. Seit 2017 bietet die Veranstaltungsreihe Stiftern, Unternehmern, Privatpersonen und künftigen Stiftern eine Plattform zum Austausch, zur Vernetzung und fachlichen Information. Die Initiatoren Silke Kirschenmann, Vermögensberaterin bei ELLWANGER & GEIGER Privatbankiers, und Eric Bluschke, Vermögensberater bei ELLWANGER & GEIGER Privatbankiers und Dr. Dirk Schauer, Rechtsanwalt bei CMS Hasche Sigle, wollen damit einen kontinuierlichen Beitrag zur Vertiefung und Vernetzung in der Stiftungslandschaft leisten.

 

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