Die Marktmeinung aus Stuttgart: Ruhigere Gewässer

Michael Beck

Stuttgart, 15. Februar 2017

Die Dekretflutwelle des neuen US-Präsidenten ist abgeflacht und erste Anzeichen deuten darauf hin, dass das demokratische Rahmengefüge der USA so langsam seine Wirkung entfaltet und die größten Irritationen der ersten Trump-Entscheidungen abmildern kann. Sei es beim umstrittenen generellen Einreiseverbot von Bürgern aus sieben islamischen Staaten oder bei den Schwierigkeiten bei der Besetzung wichtiger Regierungsposten mit Trump-Getreuen. Für die Finanzmärkte bedeutet dies Beruhigung nach der ersten Aufregung kurz nach der Inthronisierung des neuen US-Präsidenten. Zudem richtet sich das Augenmerk nun wieder verstärkt auf die als positiv empfundenen Ankündigungen des „Disruptors“ in den USA – die als „phänomenal“ avisierten Steuerpläne. Die Aktienmärkte setzten ihre Aufwärtsbewegung nach der erneuten Ankündigung massiver Steuersenkungsmaßnahmen weiter fort. Natürlich sollten jetzt den Versprechen auch Taten folgen, sonst ist Enttäuschungspotential vorprogrammiert. Da die Wirtschaftsleistung der USA nach wie vor zu ca. 70 % vom Konsum abhängt, könnten massive Steuersenkungen durchaus zu einer Befeuerung der kurzfristigen Wachstumszahlen führen. Mittelfristige Wirkungen im Unternehmensbereich sind noch nicht absehbar, wenn die sogenannten „Border Tax“-Pläne Realität werden. Natürlich würden damit Anreize geschaffen, vordergründig die heimische Produktion und den Export zu stärken. Aber es darf nicht verkannt werden, dass die US-Industrie, die nur ca. 10 % der US-Wirtschaftsleistung erbringt, ebenfalls weltweit vernetzt ist und an eventuellen Gegenmaßnahmen anderer Wirtschaftsräume keinerlei Interesse hat. Zudem gibt es Wirtschaftszweige, wie die US-Agrarindustrie, die bereits jetzt schon den Großteil ihrer Erzeugnisse exportieren und unter einem weltweiten Handelskrieg zu leiden hätten. Der Dow-Jones-Index hat zumindest die 20.000 Punkte eindeutig hinter sich gelassen und schickt sich an, weitere Höchststände zu erklimmen.

Die großen Volkswirtschaften in Europa halten derweil ihren Wachstumskurs, allen voran Deutschland als Wachstumslokomotive. Schade nur, dass in Deutschland zu wenig Anleger von den Renditeleistungen der Aktienmärkte profitieren. Nur 14 % der Bevölkerung haben Berührung mit Aktien- bzw. Aktienfondsprodukten und gerade mal 8 % des Volksvermögens sind nach einer Erhebung des DAI in Aktien investiert. Solange die Aktie in der privaten Altersvorsorge eine so geringe Rolle spielt und die Versicherungswirtschaft gerade mal ca. 3 % ihrer Anlagen in Aktien hält, bleibt der deutsche Aktienmarkt von ausländischen Investoren abhängig. Solange diese deutsche Aktien kaufen, scheint die Überwindung der 12.000-Punkte-Marke im DAX möglich.

Hinweise:
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