Die Marktmeinung aus Stuttgart: Weltkonjunktur hat Zahnschmerzen

Michael Beck

Stuttgart, 13.02.2019

Schmerzen sind nie angenehm, aber wer einmal unter ihnen zu leiden hatte, weiß, dass Zahnschmerzen zu den unangenehmsten Vertretern gehören. Und leider ist zu konstatieren, dass die Weltwirtschaft nicht mehr nur unter einem Muskelkater leidet, sondern in der Tat kariöse Erscheinungen aufweist. Immer mehr faule Löcher tauchen auf und bringen das Gesamtgebiss zum Bröckeln.

Der ifo-Index für die Weltkonjunktur ist im ersten Quartal überraschend stark gesunken. Mehr als 1300 Experten in 122 Ländern sind der Meinung, dass die aktuelle Konjunkturlage nur noch minimal positiv einzuschätzen ist. Die wichtigeren Erwartungen haben sich tief in den negativen Bereich eingegraben. Interessanterweise betrifft dies vor allem die Industrieländer in Europa und die USA, während die Schwellenländer weitgehend unverändert eingeschätzt werden. Damit trifft es genau die Verursacher dieser Stimmungseintrübung. Der unsägliche Handelskrieg, den der US-Präsident Trump vom Zaun gebrochen hat, verunsichert zunehmend viele Investoren weltweit. Und in Europa sorgen britische Politiker mit ihrer Unfähigkeit, das Brexit-Problem ordentlich zu lösen, und italienische Populisten, die einen handfesten Streit mit ihrem Nachbarn Frankreich provozieren, für konsterniertes Kopfschütteln. Da ist es nur verständlich, dass bei jedem kleinen Kälteschmerz im Zahnschmelz der Weltwirtschaft weiteres Löcherpotenzial gesehen wird. In diesem Fall beim schwächelnden Konsum in China, der auch dort eine Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft anzeigt. Zwar haben sich die Aktienmärkte zu Beginn dieses Jahres deutlich erholt, aber sie harren noch einer gründlichen Wurzelbehandlung, bei der die Wurzeln der derzeitigen Konjunktur-Übel verödet werden. Erst dann ist mit einer nachhaltigen Besserung der Lage und Stimmung zu rechnen.         

 

 

Hinweise:
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