Die Marktmeinung aus Stuttgart: Weder Fisch noch Fleisch

Michael Beck

Stuttgart, 24.04.2019

Nun ist die Fastenzeit endlich vorbei, aber die Investoren konnten ähnlich wie die Menschen vor einigen hundert Jahren die Fastenzeit austricksen. Konnten damals Mönche noch auf nahrhaftes Starkbier und Fisch und Geflügel als „Fleisch-Ersatz“ zurückgreifen, erfanden z. B. findige schwäbische Köchinnen mit den „Herrgottsbscheißerle“ eine Methode, verbotenes Fleisch im Maultaschen-Nudelteig zu verstecken. Anleger weltweit müssten angesichts der Konjunkturdatenlage ihre Köpfe eigentlich in den Sand stecken und renditemäßig fasten. Denn wo man hinschaut, zeigen die Konjunkturdaten eine Abkühlung an. Dennoch können sich die meisten Investoren über veritable Kursgewinne sowohl im Aktien- als auch im Anleihenbereich freuen. Obwohl die wenigsten Investoren im Aktiensegment investiert sind und von den meist zweistelligen Performanceergebnissen profitieren, erfreuen sich dieses Jahr auch international investierte Anleger über ungewöhnlich hohe Kurszuwächse. Diese resultieren zwar vornehmlich aus Ausgleichsbewegungen nach den starken Kursverlusten im zweiten Halbjahr 2018. Es hat sich jedoch generell die Risikoaffinität gegenüber Schwellenländer-High-Yield-, Nachrang- oder sonst wie gearteten risikobehafteten Anleihegattungen stark erhöht.

Dabei zeigt sich zurzeit keine ausgesprochene Tendenz, was die verschiedenen Konjunkturindikatoren angeht. Mal werden aufgrund harter fundamentaler Daten, wie Auftragseingängen, Stimmungsverbesserungen vermeldet, mal weisen Frühindikatoren, wie z. B. Einkaufsmanagerindizes, auf Eintrübungen des erwarteten Konjunkturgeschehens hin. Es kann aber durchaus auch passieren, dass direkt im Anschluss an die Veröffentlichung dieser Daten oder sogar zeitgleich harte Fundamentaldaten Eintrübungen und andere Frühindikatoren Aufhellungen anzeigen. Und dies natürlich sowohl für Industriedaten diesseits und jenseits des Atlantiks (oder Pazifiks). Zumindest scheinen sich die angekündigten Arbeitsplatzabbaumaßnahmen, ob im Automobil- oder Chemiebereich, zu häufen. Ein Indikator, der darauf hinweist, dass viele Unternehmen zunehmend auf Sicht fahren und mit Investitionen sparsam sind. Dies wiederum dürfte Implikationen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der nächsten Monate beinhalten. Was bedeutet dies für die Anleger? Zum einen dürfen sie sich freuen, der Rendite-Fastenzeit ein Schnippchen geschlagen zu haben und trotz fragilem Umfeld eines der besten Quartalsergebnisse seit Jahren eingefahren zu haben. Zum anderen sollten sie sich aber an den Gedanken gewöhnen, den Gürtel etwas enger zu schnallen, denn es ist kaum zu erwarten, dass sich die stürmische Entwicklung der ersten vier Monate ungeschmälert fortsetzt. Die nahende Eskalation in Verbindung mit dem verschärften US-Embargo für iranische Ölexporte könnte die Märkte belasten. Dennoch sind vor dem Hintergrund nach wie vor historisch niedriger Zinsen Aktien immer noch erste Wahl. Eine breite internationale und ausreichend vielfältige Diversifikation zur Streuung der Risiken ist jedoch mehr denn je anzuraten.            

 

 

Hinweise:
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