Die Marktmeinung aus Stuttgart: USA isoliert sich

Michael Beck

Stuttgart, 06. Juni 2018

Man fragt sich wirklich, warum ein US-Präsident der Meinung ist, seine Wirtschaft und die Arbeitsplätze mit Schutzzöllen schützen zu müssen. Vor allem, wenn man sich die jüngsten Arbeitsmarktdaten der USA anschaut. Die Arbeitslosenquote fiel in den USA auf den tiefsten Stand seit 2000 und näherte sich mit einer Quote von 3,8 %
(-0,1 %) fast der Vollbeschäftigungsmarke. Entgegen allen Ratschlägen erfahrener Ökonomen zerschlägt Donald Trump weiter internationales Porzellan, nur um vor den Midterm-Wahlen im Herbst seinen Wählern zu beweisen, dass er Wahlversprechen einhält. Koste es, was es wolle. In diesem Falle das in Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg aufgebaute Vertrauen und freundschaftliche Verhältnis der westlichen Allianz. Beim Vorgipfel des G7-Treffens machten die Finanzminister der restlichen G6-Staaten deutlich, dass sich die USA nun in mehreren Punkten isoliert haben. Der Aufkündigung des Pariser Klimaschutzabkommens folgte der einseitige Rückzug aus dem Iran-Atom-Abkommen und nun bildet die Eröffnung des weltweiten Handelskrieges über US-Schutzzölle, die unweigerlich Schutzzoll-Gegenreaktionen auslösen, den dritten Akt des Isolationsdramas.

Die verunsicherten Investoren fragen sich nun natürlich, was das für die an sich boomende Weltkonjunktur bedeutet. Noch halten sich die Wirtschaftsindikatoren auf auskömmlichem Niveau. Aber die ersten Stimmungsindikatoren befinden sich schon im Abschwung. Die Stärkung vieler nationalistischer Strömungen durch das Beispiel Trump, wie z. B. soeben in Italien gesehen, wird weiter Sand ins Getriebe streuen. Das international verbreitete Polit-Chaos hat bereits dazu geführt, dass die jüngste Erholung an den Aktienmärkten gebremst wurde. Die vorübergehende Flucht in Sicherheit hat zumindest auch dazu geführt, dass sich die Renditen der langfristigen Anleihen wieder zurückgebildet haben. Dies stärkt wiederum die Aktienmärkte, die vor wenigen Monaten noch in Angst vor Zinssteigerungen erstarrt waren. Der richtungslose Seitwärtstrend scheint sich daher bis auf Weiteres fortzusetzen. Solange sich die Wirtschaftsmächte mit Zollandrohungen beharken und sich die USA als weltgrößte Wirtschaftsmacht auf Isolationskurs befindet, wird weder die Unsicherheit aus den Märkten verschwinden noch die Weltkonjunktur große Sprünge machen können.    

 

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