Die Marktmeinung aus Stuttgart: US-Administration allein zuhause

Michael Beck

Stuttgart, 20.02.2019

Nun ist es so weit – die US-Administration gibt endgültig öffentlich zu, dass die US-Industrie nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Zumindest nicht die Stahl- und Aluminium- und die Automobil-Industrie. Die Zölle auf Stahl- und Aluminium-Produkte waren der Beginn des aktuell schwelenden Handelsstreites der USA mit dem Rest der Welt. Nun steht die US-Administration kurz davor, europäische Automobile als „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ einzustufen und ebenfalls Zölle zu erheben. Die Auswirkungen auf die deutsche und europäische Konjunkturentwicklung sind zwar im Ausmaß umstritten, aber negative Auswirkungen wird es geben, denn die USA sind der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Allerdings wird es auch negative Folgen für die US-Wirtschaft geben, denn die EU hat die Gegenmaßnahmen bereits in der Schublade liegen. Und damit wären wir bei der Eskalation, die es eigentlich zu vermeiden galt. Die Verunsicherung vieler Marktakteure bremst die Erholung der Aktienmärkte, die seit Jahresbeginn läuft, etwas aus.

Hinzu kommt, dass die Unternehmensergebnisse in der aktuellen Berichtssaison eher enttäuschen und nicht den nötigen Rückenwind entfalten, den man sich erhofft hatte. Auch wenn die Bundesbank konstatiert, dass keine Rezession unmittelbar bevorsteht, fällt die Konjunkturabkühlung doch stärker aus als gedacht. Die Ergebnisse der Münchner Sicherheitskonferenz ernüchterten viele Marktteilnehmer zusätzlich, da die Welt nun noch komplizierter zu werden scheint, als sie eh schon ist. Der abgrundtiefe Dissens der Europäer mit den unilateral auftretenden Vereinigten Staaten ist nicht mehr zu übersehen. Die US-Administration scheint es sich zum Ziel gesetzt zu haben, sich mit allen Staaten außerhalb der Grenzen ihrer 51 Bundesstaaten zu überwerfen. Auch wenn einige Punkte im Kern es wert sind, sie zu diskutieren und Verbesserungen herbeizuführen, ist doch die Vorgehensweise der US-Administration nicht nur als undiplomatisch, sondern eher als desaströs zu bezeichnen. Die filigrane Stimmungswelt der weltweit agierenden Investoren wird dadurch zunehmend beeinträchtigt. Ende dieser Woche werden Frühindikatoren wie der ifo-Geschäftsklimaindex dieses wahrscheinlich verdeutlichen. Immerhin konnten sich die ZEW-Konjunkturerwartungen etwas stabilisieren, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Positive Nachrichten sind dringend erwünscht.       

   

 

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