Die Marktmeinung aus Stuttgart: Ungläubiges Kopfschütteln

Michael Beck

Stuttgart, 21. Februar 2018

Automatisierte Handelssysteme, die kurze und ausgeprägte Kursrückgänge (sog. Flash Crashes) auslösen, und der Vorwurf an eine Kryptobörse namens „Bitfinex“, den Kurs einer nur virtuell existierenden Krypto-Währung namens „Bitcoin“ unzulässigerweise gestützt zu haben. Man schüttelt den Kopf und sehnt sich nach der guten alten „Parkett-Zeit“ zurück, als noch reelle Geschäfte zwischen real existierenden Marktteilnehmern das Börsengeschehen dominierten.

Aber auch die heimische und geopolitische Situation löst Kopfschütteln aus. Eine beim Wahlvolk immer unbeliebtere (ehemalige Volks-)Partei SPD krönt ihre innerparteilichen Personalquerelen damit, dass sie ihren beim Wahlvolk beliebtesten Politiker Sigmar Gabriel desavouiert und ausbootet. Die Union folgt der SPD im Niedergang zwar in einigem Abstand, verliert sich aber ebenfalls immer mehr in ähnlichen Personaldiskussionen, die schon die SPD massiv Stimmen gekostet haben. Auf internationaler Ebene erschrecken das ernüchternde Ergebnis der Münchner (Un-)Sicherheitskonferenz und die teils offen ausgetragenen internationalen Streitereien und Konflikte. Einen Tag nach Freilassung des Journalisten Deniz Yücel träumt die Türkei von einer Normalisierung der Beziehungen zu Deutschland und Waffendeals und zertrümmert diese Annäherung umgehend, indem die türkische Delegation am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz den Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir als „Terroristen“ verunglimpft. Was anderes als Kopfschütteln kann dies alles auslösen?

Da muten die jüngsten Kursrückgänge der Finanzmärkte in der Summe noch als das normalste der letzten Wochen an, denn Kursbereinigungen sind ab und an durchaus als reinigendes Gewitter und somit als gesund zu bezeichnen. Die Bewertungen haben sich an den meisten Aktienmärkten wieder in den fairen Bereich, manchmal sogar günstigen Bereich zurückgebildet. Es könnte daher an der Zeit sein, sich kopfschüttelnd von all den oben erwähnten Feldern abzuwenden und sich lieber interessanten Investitionsmöglichkeiten zuzuwenden. Zunächst aber muss man noch abwarten, ob der 45. US-Präsident Trump seinen Ankündigungen Taten folgen lässt und wirklich einen (sinnlosen) Handelskrieg mit Europa und China vom Zaun bricht. Die EU könnte auf US-Stahl- und Aluminium-Importbeschränkungen ihrerseits mit einer Reihe von Zöllen reagieren, die schmerzhaft für die USA wären. Letztendlich wären aber alle Verlierer, nicht zuletzt die Konsumenten, die für mit Zöllen belegte Produkte mehr bezahlen müssten. Dies könnte eine weitere Befeuerung der Inflationsängste mit entsprechend negativen Wirkungen auf die Aktienmärkte bedeuten. Es steht zu hoffen, dass sich die moderaten und professionellen Kräfte im Weißen Haus durchsetzen können.

Hinweise:
Die vorliegenden Informationen sind keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht einem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen...

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