Die Marktmeinung aus Stuttgart: Unerwartete Sommerruhe

Michael Beck

Stuttgart, 29. August 2018

Manche Nachrichten sorgen in dieser irrlichternden Welt doch noch für Amüsement – so jene, dass sich ein US-Präsident wundert, wenn über Google unter Eingabe seines Namens fast ausschließlich negative Nachrichten zu lesen sind. Die meisten wundert dies nicht, aber ebenso haben sich die meisten gestern über den jüngsten ifo-Geschäftsklimaindex gefreut, der einerseits unerwartet und andererseits auch unerwartet stark gestiegen ist. Nur jenen, die auf massive Kursverluste setzen, kann dies nicht gefallen, weil jeder Tag mit wieder bzw. weiter steigenden Aktienkursen Geld kostet. Aber der Normalanleger darf sich über die Sommerruhe freuen und in der Tat scheinen sich auf einigen Belastungsfeldern Entspannungssignale durchzusetzen. Die chinesische Zentralbank hat verlauten lassen, dass sie einem stärkeren Währungsverfall des Renminbi entgegentreten wird und die Einigung im Handelsstreit der USA mit Mexiko wird an den Börsen gefeiert. Nun fehlt noch Kanada, und das ehemalige vom US-Präsidenten Trump aufgekündigte Nafta-Abkommen wäre wieder in moderner Form reinstalliert. Erste Gespräche laufen zumindest schon.

Was noch zum Investorenglück fehlt, ist eine nachhaltige Einigung bei den Zoll- und Handelsstreitigkeiten der USA mit China, aber auch zwischen den USA und Europa. Hier sind die Probleme nur in die nahe Zukunft verlagert worden. Für die Entwicklung der Weltwirtschaft und die Grundlage für eine mögliche Jahresendrally ist eine Einigung auf diesem Gebiet Voraussetzung.

Im ifo-Geschäftsklimaindex, für den ca. 9.000 Unternehmen befragt werden, schlagen sich die Entspannungssignale bereits nieder. Der Index beendete seine mehrmonatige Abwärtstendenz und zeigte eine überraschend starke Gegenbewegung. Der Außenhandel zeigt jedoch bereits erste Bremspuren. Und in Italien baut sich ein größeres Problem auf, da die dortige neu gewählte Regierung zunehmend auf Konfrontationskurs zur EU geht. So ist es wie immer, dass sich gute und schlechte Nachrichten in der Balance befinden. Wenn dies dazu führt, dass die internationalen Finanzmärkte weiterhin sommerliche Ruhe aufweisen, mag das nicht das Schlechteste sein. Es besteht leider die Gefahr, dass einige Währungsturbulenzen, wie in der Türkei, dazu führen könnten, dass sich die Stimmungswaage in die negative Richtung neigt. Aus diesem Grund kann man derzeit die Sommerruhe genießen, sollte aber auf jeden Fall wachsam bleiben.

 

Hinweise:
Die vorliegenden Informationen sind keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht einem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen...

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