Die Marktmeinung aus Stuttgart: Und immer wieder die Politik

Michael Beck

Stuttgart, 05. September 2018

Die Entwicklungen der Aktienmärkte weltweit laufen endgültig auseinander. Während in den USA mit Amazon nun ein zweites Unternehmen nach Apple die 1-Billion-Dollar-Grenze in seiner Marktkapitalisierung überschritten hat und der S&P-200-Index an seinem Rekordhoch verharrt, kämpfen die Aktienmärkte in Europa und Asien mit zunehmenden Unsicherheiten und korrigieren. Als Hauptauslöser kann wieder einmal der US-Präsident identifiziert werden, der mittels Twitter zum wiederholten Male Öl ins Handelsstreitfeuer gegossen hat. Seine kompromisslose Vorgehensweise verunsichert zunehmend auch viele Schwellenländer-Märkte, da negative Auswirkungen auf die Weltkonjunktur immer wahrscheinlicher werden.

In Europa sorgt in Schweden die anstehende Wahl für eine Schwächung der Schwedenkrone, obwohl es fundamental eigentlich keinen Grund dafür gibt. Auslöser hierfür ist die Wahrscheinlichkeit eines relativ guten Abschneidens der rechtspopulistischen und EU-feindlichen „Schwedenpartei“. Eine Regierungsbildung könnte für diesen Fall sehr schwierig werden, sodass die politische Risikoprämie zu Währungsverlusten in der Schwedenkrone geführt hat. Eine Gegenbewegung nach einer erfolgten Regierungsbildung und Beruhigung der Lage dürfte wahrscheinlich sein.

Des Weiteren warten Investoren nach wie vor vergeblich auf positive Nachrichten aus den Brexit-Verhandlungen mit der britischen Regierung. Ein harter Brexit ohne Regelungen könnte zu Verwerfungen in der wirtschaftlichen Entwicklung Europas führen. Es steht zu hoffen, dass doch noch Übergangsregelungen gefunden werden, die Zeit für eine endgültige Lösung schaffen. In Nordirland und Schottland wachsen die Zustimmungswerte für eine Abspaltung von Großbritannien im Falle eines harten Brexits. Zu den Unstimmigkeiten zwischen der EU und Großbritannien treten also noch interne Spannungen im britischen Staatenverbund.

Da treten die italienischen Verhältnisse noch in den Hintergrund, obwohl die neu gewählte Regierung ihren populistischen Versprechen treu bleiben will und auf Konfrontationskurs zur EU geht. Der deutsche Leitindex DAX zumindest lässt sich von diesen politischen Entwicklungen beeindrucken und bewegt sich stetig in Richtung der 12.000-Punkte-Marke. Ob er dadurch dazu beitragen möchte, dass der September seinem Ruf als schwierigster Börsenmonat gerecht werden will, bleibt abzuwarten. Generell dürfte es allerdings dabei bleiben, dass es einer Einigung im Handelsstreit der USA mit dem Rest der Welt bedarf, bevor die Aktienmärkte wieder in ruhigeres Fahrwasser zurückfinden.   

 

 

 

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