Die Marktmeinung aus Stuttgart: Sorgenkind Europa

Michael Beck

Stuttgart, 14. November 2018

Der Dax hat sich im Gleichschritt mit dem Euro in den letzten Wochen zunehmend eingegraben. Mit einer Handelsspanne zwischen 1,12 und 1,13 USD/Euro befindet sich der Wechselkurs des Euro ca. 7 % unter seinem Jahresanfangsstand. Eigentlich ein Umstand, der die europäischen Aktienmärkte stützen müsste, da dadurch die Exportfähigkeit Europas steigt. Allerdings gibt es da noch die Psychologie, die das Börsentreiben immer mal wieder bestimmt. Und in diesem Fall liegt der Auslöser der Euroschwäche im Haushaltsstreit Italiens mit der EU-Kommission begründet. Die populistische Regierung Italiens stellt auf stur, was bei vielen Marktteilnehmern Befürchtungen einer neuen Euro-Krise 2.0 heraufbeschwört. Dabei ist das aktuell anvisierte Defizit in Höhe von 2,40 % nicht das zentrale Problem, denn durch die in den letzten Jahren stark gesunkenen Zinsen hat sich der Anteil der Zinszahlungen am Haushalt Italiens ebenso stark reduziert. Mit der absoluten Höhe der Staatsschulden liegt Italien allerdings auf dem zweiten Platz in Europa hinter Griechenland. Und die Gefahr liegt darin begründet, dass die internationalen Kapitalmärkte die Bonität Italiens anzweifeln und damit das Zinsniveau, zu dem sich Italien verschulden kann, in unbezahlbare Höhen ziehen.

Beim zweiten Sorgenthema, dem Brexit, könnten sich zwar Entspannungssignale einstellen, seitdem die britische Premierministerin May eine Einigung mit der EU verkündet hat. Aber bevor dieses Abkommen nicht durch das britische Parlament genehmigt wird, bleibt die Unsicherheit an den Märkten bestehen. Die infantilen Twitterattacken des US-Präsidenten Trump in Richtung Macron belegen die Richtigkeit des Vorhabens der EU, sich von der populistischen US-Regierung zu emanzipieren. Allerdings schränkt dies wohl die Möglichkeiten eines Kompromisses im Handelsstreit der USA mit der EU ein. Die Konjunkturerwartungen der vom ZEW befragten Finanzexperten steigen zwar leicht an, befinden sich aber immer noch im deutlich negativen Bereich. Die um 0,20 % gesunkene Wirtschaftsleistung im Deutschland im dritten Quartal verdeutlicht dies. Die Marktakteure jedenfalls üben sich vor diesem Hintergrund in Vorsicht und beginnen sich damit abzufinden, dass eine ausgeprägte Jahresendrally in diesem Jahr ausfallen könnte.               

 

Hinweise:
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