Die Marktmeinung aus Stuttgart: „Sesamkrise“ oder Dominoeffekt?

Helmut Kurz

Stuttgart, 15. August 2018

Da sich die US-Wirtschaft dank der von der Regierung Trump herbeigeführten Steuersenkungen sehr stark entwickelt, setzt die Federal Reserve Bank ihren Kurs der Normalisierung der Geldpolitik konsequent fort. Weil dies zu höheren US-Zinsen führt, bekommen dies wie immer in der Vergangenheit diejenigen Länder am härtesten zu spüren, die besonders auf die Zufuhr von Auslandskapital angewiesen sind.

War es bisher vor allem Argentinien, hat es nun die Türkei richtig schlimm getroffen. Weil das Land seit langem ein riesiges Leistungsbilanzdefizit aufweist und seine Bürger und Unternehmen zusätzlich auch noch hohe Kredite in Fremdwährungen (vor allem US-Dollar und Euro) aufgenommen haben, steht das Land nun vor dem Abgrund. Mit billigem Auslandsgeld gelang es, eine ökonomische Scheinblüte über Gebühr lange aufrechtzuhalten, die nun verwelkt. Obwohl es seit langem an Hinweisen auf die so entstandenen Risiken und guten Ratschlägen nicht fehlte, widersetzte sich die Regierung unter Präsident Erdogan diesen konsequent und beschuldigt nun die Amerikaner, einen Wirtschaftskrieg gegen sein Land zu führen. Inzwischen hat sich die türkische Lira gegen den US-Dollar im Lauf von 12 Monaten halbiert. Ob es nur zu einer schweren Wirtschaftskrise oder gar zu einer Staatspleite der Türkei mit negativen Folgen vor allem für die damit besonders verflochtenen Banken Spaniens, Italiens und Frankreich kommt ist, noch unklar. Klar ist aber, was Präsident Erdogan von Bundeskanzlerin Merkel bei seinem Besuch im September wohl fordern wird. 

Länder, die ähnlich marode politische und ökonomische Verhältnisse entstehen haben lassen, werden von den Geldgebern in nächster Zeit mit wesentlich mehr Skepsis behandelt werden. Entsprechend kam nun auch etwa die Währung Südafrikas unter die Räder und Argentinien musste seine Zinsen auf 45 % erhöhen, um den Peso zu stabilisieren. Dass dies globale Auswirkungen haben wird, die letztlich zu weniger Wachstum und geringeren Unternehmensgewinnen führen werden, ist sicher. Die anhaltend stabiles Wachstum voraussagenden Prognosen der meisten Ökonomen werden nun korrigiert werden müssen. Solange sich die Regierung der Türkei noch nicht einmal der Realität stellt, kann es auch keine Lösung geben. 

Alles in allem ist an den Kapitalmärkten eher Vorsicht geboten. Dies, zumal sich der Handelskrieg zwischen den Hauptprotagonisten USA und China bisher nicht zu entspannen scheint.

 

 

Hinweise:
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