Die Marktmeinung aus Stuttgart: Positives Momentum

Michael Beck

Stuttgart, 06.11.2019

Für fundamental orientierte Analysten und Investoren, die i. d. R. nur harten Wirtschaftsdaten vertrauen, stellt die Technische Analyse mit ihren Gesetzmäßigkeiten und Charts eine Analogie zu den kruden Astrologie-Wissenschaften des Mittelalters dar. Nicht umsonst sind die sogenannten Fibonacci-Zahlen in Anlehnung an den italienischen Mathematiker, der an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert tätig war, ein wichtiger Pfeiler dieser Gattung. In jüngster Zeit betrachten viele Investoren die Technische Analyse jedoch mit sehr großem Wohlwollen, denn die Investoren, die an die Technische Analyse glauben, vertrauen den daraus ermittelten Charts und kaufen Aktien … und kaufen … und kaufen. Es gibt auch eine Börsenregel, die dieses Phänomen beschreibt: „The trend is your friend.“ Und dies veranlasst nicht nur viele Investoren, sondern vor allem auch viele automatisierte Handelsprogramme, das derzeit positive Momentum der Aktienbörsen zu nutzen und auf den Zug steigernder Kurse noch aufzuspringen. Insbesondere institutionelle Investoren, die Ende letzten Jahres von ihren Risiko-Controlling-Programmen oder -Abteilungen aus den Aktienmärkten gejagt worden waren, haben in der steilen V-förmigen Erholungsphase der Aktienkurse im ersten Quartal den Wiedereinstieg verpasst. Nun gilt es, die Aktienquoten zumindest zum Schein noch etwas hochzufahren, damit man bis zum Jahresende nicht eingestehen muss, den gesamten Börsenzug des Jahres 2019 verpasst zu haben. Dies sorgt für Anschlusskäufe, die die aktuelle Aufwärtsbewegung an den Märkten stützt.

Dabei ist noch gar nicht viel entschieden, was die seit Monaten schwelenden Krisenherde angeht. Der Brexit ist zwar wieder einmal verschoben, aber noch ungeklärt, beim Handelsstreit der USA mit China scheint sich zwar eine Teileinigung abzuzeichnen, das große Bild sieht aber immer noch relativ ungelöst aus und die chinesische Wirtschaft pfeift inzwischen nicht zuletzt als Folge daraus aus allen Löchern. Aber die Aussicht auf eine Einigung in den Handelsgesprächen in Verbindung mit guten Arbeitsmarktdaten aus den USA reicht immer wieder aus, das Sentiment bei den Investoren sehr positiv zu gestalten. Unterstützt wird das Szenario von einer Reihe positiv ausgefallener Unternehmensgewinnausweisen. Und wenn diese nicht immer besser als erwartet ausfielen, so fielen sie doch in der Mehrzahl nicht so schlecht wie befürchtet aus. Damit befinden wir uns in einem Umfeld der Harmonie und des Ausgleichs zwischen Fundamental- und Technischer Analyse, die beide aufwärtsgerichtete Börsenkurse anzeigen. Es gab schon unangenehmere Börsenphasen.

 

 

Hinweise:
Die vorliegenden Informationen sind keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht einem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen...

Zurück zur Ergebnisliste