Die Marktmeinung aus Stuttgart: Politik trübt die Börsianer-Laune

Michael Beck

Stuttgart, 21. November 2018

Und wieder wurde eine Chance vertan: Auf dem Apec-Gipfel der asiatisch-pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft nutzte US-Vize-präsident Pence nicht die Abwesenheit Donald Trumps, um im Handelsstreit der USA mit dem Rest der Welt konziliantere Töne anzuschlagen. Im Gegenteil, er vertrat voll und ganz die konfrontative Linie seines Chefs und verhinderte zum ersten Mal seit Bestehen dieses Wirtschaftsgipfels ein gemeinsames Abschlusskommuniqué. Die Finanzmärkte waren ob des weiter eskalierenden Streites zwischen den USA und China entsprechend geschockt und büßten diese Woche weiter merklich an Terrain ein.

Aber wie sagten schon die alten Börsianer? Der Dax muss auch einmal in die Knie gehen, um zum nächsten Sprung anzusetzen. Nun, nichts gegen die Erfahrungswerte der alten Parkett-Hasen, es gibt nur ein Problem – die Investoren-Knie werden zurzeit weicher und weicher. Letztendlich wirken sich alle aktuellen politischen Krisenherde negativ auf die Weltwirtschaft oder zumindest auf die Stimmung der Wirtschaftsteilnehmer aus. Der Haushaltsstreit der EU-Kommission mit der italienischen Regierung sät Zweifel am Zusammenhalt Europas und schwächt den Euro, die ungelöste Brexit-Frage treibt immer mehr Wirtschaftslenkern den Angstschweiß auf die Stirn und das allgegenwärtige aggressive Auftreten der US-Administration im Handelsstreit auf verschiedenen Sanktionsfeldern trübt die Erwartungen für das Weltwirtschaftswachstum merklich ein. 

Wie immer in solchen Phasen der Unsicherheit treten die unvermeidlichen Börsengurus auf den Plan und vermelden apokalyptische Szenarien bis hin zum Totalzusammenbruch aller Finanz-, Kapital- und Wirtschaftsmärkte. Es ist anzuraten, diesen Prophezeiungen keinen Glauben zu schenken. Nach einer langen Phase des Wachstums sind Phasen der Konjunkturabkühlung oder sogar rezessive Phasen (auch die kann es noch geben) durchaus normal. Ebenso normal ist es, dass in diesen Phasen Aktienkurse nachgeben, da die zukünftigen Ertragssituationen vieler Unternehmen nicht mehr so positiv eingeschätzt werden wie noch vor einigen Monaten. Die Kursanstiege der letzten Jahre hatten aber auch meist ihren Grund. Innovationen, gestiegene Produktivitäten und reines Wachstum der Absatzmärkte trugen ihren Teil dazu bei. Wenn jene Aktien, die rein aufgrund der überbordenden Liquiditätsversorgung der Zentralbanken ungerechtfertigt stark gestiegen sind oder ihre Versprechungen nicht halten können, nun überproportional stark fallen, dann sind diese Korrekturen nicht gefährlich, sondern eher als gesund zu bezeichnen. Antizyklisch operierende Investoren schauen auf die Bewertung von Aktien und die Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen der Unternehmen und werden auf diesem gedrückten Niveau mit Sicherheit Einstiegskurse finden, die die Grundlage für künftige Erträge darstellen. Denn am Ende aller Tage haben politische Börsen eben doch „kurze Beine“.

 

 

Hinweise:
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