Die Marktmeinung aus Stuttgart: Neue Allianzen

Michael Beck

Stuttgart, 27.03.2019

Der nationalistische Konfrontationskurs der US-Administration in Sachen Handels- bzw. Strafzölle führt zu Annäherungen, die vor einigen Jahren in dieser Vehemenz noch undenkbar gewesen wären. Die EU und China haben gestern in einem spektakulären Vierer-Treffen mit dem französischen Präsidenten Macron, Bundeskanzlerin Merkel und EU-Ratspräsident Juncker weitreichende Absichtserklärungen zur Förderung der Zusammenarbeit abgegeben. Zuvor war der chinesische Regierungschef Xi in Italien unterwegs und vor Jahren schon griff China dem strauchelnden Griechenland finanziell unter die Arme. Den von ihrem Erholungskurs abgekommenen, angeschlagenen Aktienmärkten tun diese Nachrichten ganz gut. Denn China wird zunehmend als ernstzunehmender Konkurrent wahrgenommen. Das Projekt „Neue Seidenstraße“ lief bis dato ohne die Europäer ab, sodass auch hier eine Kooperation wirtschaftlich sinnvoll ist.

Weitere Unterstützung für die Aktienmärkte lieferten die jüngsten deutschen Frühindikatoren ifo-Geschäftsklimaindex und ZEW-Indikator. Während der erstere nach sechs Rückgängen in Folge zum ersten Mal wieder einen Anstieg verzeichnen konnte, fiel der Rückgang des letzteren weitaus weniger stark aus als befürchtet. So scheint sich das Stimmungsbild in einem moderaten Optimismus einzuschwenken. Dies bestätigt auch der GfK-Konsumklimaindex, der in der Summe zwar von einer spürbaren Konjunkturabkühlung ausgeht, aber eben nicht von einer Rezession. Trotz des leichten Rückgangs dieses Indikators bleibt die Konsumlaune in Deutschland auf vergleichsweise hohem Niveau. Solange die Lage auf dem Arbeitsmarkt derart gut bleibt, dürfte sich daran auch nichts ändern. Die Aktienmarktniveaus dürften daher gut unterstützt sein. Für weitere Avancen bedarf es jedoch positiver Meldungen (z. B. Brexit, Handelsstreit) und einer nachhaltigen Trendwende bei den „harten“ Industrie- und Unternehmensdaten.     

 

 

Hinweise:
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