Die Marktmeinung aus Stuttgart: Lockere Geldpolitik schlägt Konjunkturpessimismus

Michael Beck

Stuttgart, 26.06.2019

Kein Tag vergeht ohne einen Twitter-Beitrag des US-Präsidenten Trump. Selten dienen diese Beiträge zur Entspannung diverser Problemlagen, eher verschärfen sie sie bzw. öffnen neue Fronten. Nun aber formiert sich Widerstand. Indien erhebt Gegenzölle auf verschiedene US-Produkte, US-amerikanische Technologiekonzerne springen dem chinesischen Tech-Giganten Huawei bei, weil sie ihre eigenen Gewinne durch Trumps Embargo gefährdet sehen, und China sammelt innerhalb der G20-Gruppe immer mehr Unterstützer-Länder gegen die nationalistische Handelspolitik der USA um sich. Immerhin werden neue Gespräche zwischen den USA und China für das anstehende G20-Treffen vorbereitet. Die Wirtschaftsmacht der USA mag so groß und bedeutend sein, dass Trump denkt, dass er der Welt seine Bedingungen diktieren kann. Einzelne Länder dürften in der Tat für sich zu schwach sein, um sich zu wehren. Im Verbund dürfte es jedoch auch für die US-amerikanische Wirtschaft gefährlich werden. Die Aktienmärkte antizipieren das und zeigen sich angesichts des sich stetig verschärfenden Handelskrieges der USA mit dem Rest der Welt eher besorgt. Der Euro dürfte weiter schwach bleiben, weil die politische Gemengelage in Europa keine Stabilität verheißt. Italiens Haushaltsproblematik ist ungelöst und die Konfrontationsstrategie Salvinis hat Bestand. Österreichs Wahl findet erst im Herbst statt und ob die Große Koalition die Herbst-Landtagswahlen übersteht, ist mehr als ungewiss. Die nach wie vor niedrigen Inflationsraten und die sich weiter eintrübende Konjunktur (siehe ifo-Geschäftsklima- und ZEW-Index) ermöglicht bzw. zwingt die EZB dazu, an ihrer expansiven Geldpolitik festzuhalten, was die Aktienmärkte derzeit stützt.

Es ist sogar denkbar, dass das Anleihenkaufprogramm, welches im Herbst eigentlich enden sollte, ebenfalls fortgeführt wird. Dies zum Unwillen Trumps, der diese Situation allerdings mit seiner rezessionsfördernden Handelspolitik selbst herbeigeführt hat. So wird der US-Dollar noch eine ganze Weile stark bleiben können. Außer die FED würde ebenso deutliche Zinssenkungen ankündigen. Bisher zögert sie in dieser Frage noch. Die spannende Frage wird sein, wie lange die Zentralbank-Entscheidungen noch für Kursfeuerwerke an den Aktienmärkten sorgen können. Irgendwann könnte die Stimmung an den Aktienmärkten angesichts der vielen schlechten Konjunkturnachrichten kippen. Es steht zu hoffen, dass das Vertrauen in die Krisenmanagement-Fähigkeiten der Zentralbanken gewahrt bleibt. In der Summe dürften sich Investoren über den Sommer schon über eine stabile Seitwärtsbewegung freuen, solange die Konjunktureintrübung anhält. Lösungen im Handelsstreit-Thema könnten die Kurse befeuern, aber diese stehen eher noch auf den Wunschzetteln der Marktakteure denn in den Vertragswerken der Verhandlungsdelegationen. Dass viele Investoren sich nach langen ruhigen Jahren wieder an die „Sichere Hafen“-Funktion des Goldes erinnern und eine kleine Gold-Rally ausgelöst haben, wirft ein weiteres Schlaglicht auf die aktuellen Herausforderungen der Märkte.

 

 

Hinweise:
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