Die Marktmeinung aus Stuttgart: Lackmustest für die Aktienmärkte

Michael Beck

Stuttgart, 25.09.2019

Lackmustest für die Aktienmärkte 

Nun wird sich zeigen, wie sich die weltweite Konjunkturlage nach den seit über einem Jahr andauernden Spannungen in Handels- und Zollfragen darstellt. Die am Montag veröffentlichten Daten zum Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie (49,1 Punkte) verdeutlichen zumindest schon einmal, dass sich die deutsche Wirtschaft in rezessivem Terrain befindet. Auch der französische Index liegt nur noch knapp über der viel beachteten 50-Punkte-Grenze, die die Wachstumsgrenze anzeigt. Die Chefvolkswirte der deutschen privaten Banken rechnen für 2019 immerhin noch mit einem Wachstum von 0,50 % und erwarten für 2020 eine Steigerung auf 1,0 %. Der ifo-Geschäftsklimaindex hat sich um eine Spur verbessert und seinen 5-monatigen Abwärtstrend unterbrochen. Leider liegt dies nur an einer leicht verbesserten Lageeinschätzung, die Aussichten werden nach wie vor trübe beurteilt. Der wohl alles entscheidende Faktor scheint der Ausgang der in zwei Wochen fortgesetzten Handelsgespräche zu sein. Die Irritationen am letzten Freitag, als die chinesische Delegation einen Besuch von landwirtschaftlichen Produktionsstätten in den USA absagte, führten sofort zu einem kleinen Kurseinbruch an den Börsen. Erst die Beteuerung von amerikanischer Seite, dass die Gespräche gut verlaufen seien, beruhigte die Lage etwas. So dürfte klar sein, dass in zwei Wochen ein Ergebnis hermuss. Sonst könnte es mal wieder ein Oktober sein, in dem eine ausgeprägte Aktienmarktkorrektur ihren Anfang nimmt. Das werden die Verhandlungspartner wohl auch wissen, daher ist zumindest mit einem „kleinen“ Deal zu rechnen. 

Inwieweit das britische Brexit-Chaos Einfluss auf die Aktienmärkte nehmen wird, ist ebenfalls noch nicht klar. Es ist nicht einmal klar, ob es zu Neuwahlen kommt oder nicht. Ein harter „No-Deal-Brexit“ liegt in der Luft. Sollte der britische Premier jedoch noch vor dem Ende der Brexit-Frist am 31. Oktober zurücktreten oder ihm erfolgreich das Misstrauen ausgesprochen werden, dürfte die EU einer erneuten Verschiebung des Termins zustimmen, um die Neuwahlen und eine neue Sortierung des Regierungsgefüges in Großbritannien abzuwarten. Wer weiß, vielleicht kommt es doch noch zu einem erneuten Referendum? Eine solche Nachricht dürfte die Aktienmärkte wieder an ihre Jahreshochs katapultieren. Bis es bei den verschiedenen Themen so weit ist, wird allerdings Unsicherheit das Marktgeschehen bestimmen. In dieser Situation muss man dann schon mit einer Seitwärtsbewegung der Märkte zufrieden sein.

Hinweise:
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