Die Marktmeinung aus Stuttgart: Konzentration auf das Wesentliche

Michael Beck

Stuttgart, 26. September 2018

Konzentration auf das Wesentliche  

Die Marktteilnehmer an den internationalen Finanzmärkten würden sich gerne auf das Wesentliche konzentrieren – die Analyse, Auswahl und Entwicklung ihrer Investments. Wenn möglich, unter stabilen und positiv belegten Rahmenbedingungen. Deshalb würden sich diese Marktteilnehmer wünschen, dass sich die aktuell im Amt befindlichen politischen Protagonisten ebenfalls auf das Wesentliche konzentrieren würden – an den aktuellen Problemen zu arbeiten und so die positiven Rahmenbedingungen zu schaffen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Verhandlungsführer der EU und die britische Premierministerin May sind dabei, die Austrittsverhandlungen nicht nur in eine Sackgasse, sondern vielmehr an die Wand zu fahren. Der 45. US-Präsident Donald Trump wird nach seinem überbordenden Selbstlob in der UN-Generalvollversammlung vom Plenum ausgelacht – welch ein Tiefpunkt seiner bisherigen Präsidentschaft. Zu allem Überdruss nimmt er in seinem Wahlkampfmodus mit seiner protektionistischen Handelspolitik in Kauf, dass die an sich brummende Weltwirtschaft beschädigt wird und sogar einzelne Staaten in eine Rezession stürzen. Und bei all den anderen geopolitischen Problemen, insbesondere denen, an denen Russland beteiligt ist, scheint sich ein wichtiges Ziel Putins herauszukristallisieren – den Westen zu spalten. Zudem sorgt die Riesenherausforderung „Migrations-Management“ für ausgedehnte Reisetätigkeiten der bundesdeutschen Kanzlerin. Soweit sie sich mit diesen Themen nicht schon aufreibt, muss sie dies in der alltäglichen Zusammenarbeit mit ihren Kollegen und Kolleginnen der großen Koalition und offensichtlich auch in der eigenen Fraktion tun. Bestürzt verfolgen die Finanzmärkte die Unfähigkeit der politischen Akteure, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ein wochenlanger Streit bis zur Drohung einer Koalitionsaufkündigung über die Verwendung eines (!) Beamten kann nicht dazu zählen. 

Der jüngste ifo-Geschäftsklimaindex bestätigte dennoch sein hohes August-Niveau und belegt einmal mehr, dass die Wirtschaft noch relativ unbeeindruckt von den bescheidenen Leistungen der nationalen und internationalen Politik ist. Immer wieder bestätigen positive Indikatoren, insbesondere in den USA, dass ein akuter Absturz der Weltwirtschaft kaum zu erwarten ist. Angesichts der sich verschärfenden Krise mancher Schwellenländer, wie der Türkei, Argentiniens oder nun auch Indiens, macht sich jedoch langsam Unbehagen breit. Immerhin scheint der Panik-Modus an den Märkten überwunden zu sein, aber es ist den Marktteilnehmern anzuraten, wachsam zu bleiben. Gewiss macht es keinen Sinn, Schwellenländerinvestments generell links liegen zu lassen. Schwellenland ist nicht gleich Schwellenland und spezialisierte Fondsmanager-Einheiten, die Jahrzehnte Erfahrung in diesen Regionen haben, finden nun antizyklisch interessante Investmentmöglichkeiten. Privatanleger sollten sich an diesem Vorgehen orientieren.      

Hinweise:
Die vorliegenden Informationen sind keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht einem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen...

Zurück zur Ergebnisliste