Die Marktmeinung aus Stuttgart: Konjunktursorgen belasten Aktienkurse

Michael Beck

Stuttgart, 31.07.2019

Nun wird es evident – die Stimmung unter den Wirtschaftsakteuren verschlechtert sich zusehends. Der ifo-Geschäftsklimaindex, welcher die Einschätzung von rund 9.000 Unternehmen widerspiegelt, sank auf ein Sechsjahrestief. Auch Frühindikatoren in der Eurozone zeigen Ungemach an. Der Economical Sentiment Index (ESI) befindet sich zwar noch im Normalbereich, bildete sich jedoch in der jüngsten Umfrage der EU-Kommission auf den niedrigsten Stand seit 2016 zurück. Insbesondere die deutsche und europäische Industrie, die sich bereits in einer Rezession zu befinden scheinen, belasten hier die Ergebnisse. Die bisherige Bastion der europäischen Konjunktur, die Konsumenten, werden so langsam auch vorsichtiger. In Deutschland sank zum dritten Mal in Folge der GfK-Konsumklimaindex. Die Konjunkturlokomotive Deutschland hat ausgedient, wie auch kleine Verschlechterungstendenzen im deutschen Arbeitsmarkt anzeigen. Der deutsche Leitindex DAX hat sich gestern dementsprechend verschreckt gezeigt, zumal diese negativen Konjunkturnachrichten von mehreren schlechter als erwartet ausgefallenen Gewinnausweisen deutscher Unternehmen flankiert wurden. Die deutsche Wirtschaft wird als exportabhängigste Volkswirtschaft Europas von der Abkühlung der globalen Weltwirtschaft am stärksten beeinträchtigt. Aufgrund der hohen Bedeutung der Industrie wird Deutschland auch am stärksten unter den Nachwehen eines „No-Deal-Brexit“, den der neue britische Premier Johnson anstrebt, leiden.

Somit scheint es ausgemachte Sache unter den Investoren zu sein, dass die EZB im September ihre Geldschleusen weiter öffnen wird. Heute dürfte die US-Fed mit dem Spiel beginnen und eine erste Viertel-Prozent-Leitzinssenkung verkünden. Da der Leitzins der EZB bereits auf null ist, dürfte die EZB im September ihren negativen Einlagenzins weiter in den negativen Bereich schrauben. Nur das Ausmaß ist noch umstritten. Inwieweit die Europäische Zentralbank ihre eigentlich im September auslaufenden Anleihenkäufe verlängert bzw. wieder aufnimmt oder sogar zu dem Mittel „Aktienkäufe“ (wie in der Schweiz und Japan) greift, dürfte von der Stärke des wirtschaftlichen Abschwunges abhängen. Für Investoren bedeutet dies eine Verlängerung der sommerlichen Hängepartie, da sich die negativen Auswirkungen der Konjunktureintrübung mit den stimulierenden Effekten der damit verbundenen expansiven Geldpolitik der Zentralbanken aufheben. Mal gewinnt die eine, mal die andere Seite die Oberhand. Bis zur Entscheidung im Handelsstreit der USA mit dem Rest der Welt und einer Lösung im Brexit-Dilemma dürfte sich daran auch wenig ändern.    

 

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