Die Marktmeinung aus Stuttgart: Harte Maßnahmen erwünscht

Michael Beck

Stuttgart, 18.03.2020

Das „Börsen-Kind“ ist bereits in den Brunnen gefallen – es ist nur nicht klar, wie tief der Fall letztendlich sein wird. Die Dynamik der Pandemie-Entwicklung ist in Europa und weltweit nun schon so weit vorangeschritten, dass in den Bevölkerungen auch härtere Maßnahmen akzeptiert werden. Der französische Präsident Macron und der bayerische Ministerpräsident Söder haben hier spürbar für Europa und Deutschland eine Führungsrolle eingenommen und die Pace in Sachen Virus-Bekämpfung bestimmt. Für die Finanzmärkte weltweit bedeutet dies natürlich einen Stresstest schlechthin, den sie nur mit Hilfe der Notenbanken und der politischen Institutionen meistern können. Es scheint zum Glück so zu sein, dass den Protagonisten dies klar ist. An den Finanzmärkten ist die Akzeptanz schwerwiegender Maßnahmen, so belastend sie auch sein mögen, seit letzten Freitag gewachsen. So zeigte der DAX eine Erleichterungsrally von knapp 10 %, die einerseits der Freude über diverse Garantiebekundungen der Politik, aber wohl auch Short-Eindeckungen geschuldet war. Im Tagesverlauf wurde das gesamte Erholungspotential wieder egalisiert, weil Gerüchte kolportiert wurden, dass die US-Administration am Abend den Notstand ausruft. Als dies dann geschah, wurde klar, dass dies vor allem zur Bereitstellung genügender Geldmittel diente, um die Covid-19-Epidemie in den USA zu bekämpfen. Daraufhin drehten die Börsen wieder ins Plus. Dies deutet darauf hin, dass die größten Ausverkaufsszenarien hinter uns liegen.

Der weitgehende Shutdown ganzer Volkswirtschaften ist jedoch ein Phänomen, das so noch nicht da war und für das es keine Erfahrungen gibt. Umso wichtiger ist es, die Verbreitung des Virus und die damit verbundenen negativen Folgen so schnell wie möglich zu unterbinden. Die Beispiele aus China und Südkorea zeigen, dass man mit entschlossenem Handeln die Krise in den Griff bekommen kann. In Europa hat man lange überlegt, ob in Demokratien solch ein Vorgehen auch möglich ist. Das Beispiel der katastrophalen Entwicklung in Italien hat gelehrt, dass dies definitv so sein muss. Und zum Glück auch umgesetzt wird. Aktuell kann man davon ausgehen, dass spätestens im dritten Quartal die Volkswirtschaften wieder vollständig ins Laufen kommen und im Laufe des Jahres etwas konjunktureller Boden gutgemacht werden kann. Immerhin sind weltweit mehr als 150 klinische Studien auf den Weg gebracht worden, um Medikamente und Impfstoffe gegen das Corona-Virus zu entwickeln. Hier ist mit kurzfristigen Erfolgen zu rechnen, die die Dramatik der Lage mildern helfen werden. Für langfristig orientierte Aktieninvestoren dürfte klar sein, dass Verkäufe nun wenig Sinn machen und eher antizyklischen Käufen der Boden bereitet ist, die die Grundlage der Performance-Entwicklung der nächsten 2–3 Jahre bilden können. Da sich nun Europa kurz vor dem Höhepunkt der Ansteckungsfallzahlen befindet und die USA wohl 1–2 Wochen hinterherhinken, ist damit zu rechnen, dass den Aktienmärkten aus den USA heraus Ende März/Anfang April nochmals ein Stress-Höhepunkt bevorstehen könnte. Wenn Asien seine Corona-Fortschritte bis dahin bestätigt und Europa und die Welt dies ebenfalls schaffen, könnte das dritte Quartal jenes der Erholung werden. Und dies nicht nur im sprichwörtlichen gesundheitlichen Sinne, sondern auch für die Volkswirtschaften und die Finanzmärkte.

 

Hinweise:
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