Die Marktmeinung aus Stuttgart: Eine schöne Bescherung

Helmut Kurz

Stuttgart, 18.12.2019

Die Börsianer bekamen nun die Geschenke, die sie sich zu Weihnachten gewünscht hatten: einen klaren Sieg für Boris Johnsons Konservative und den USA-China-Deal. Doch die Wahl-Euphorie verflog schon einige Stunden später, weil die eigentliche harte Arbeit, den „Brexit“ bis zum Ende des Jahres 2020 zu regeln, eine fast unmöglich zu erfüllende Herausforderung darstellt. Die zwischen den USA und China in allerletzter Minute erreichte 86-seitige erste Handelsvereinbarung verhinderte vor allem die geplanten Zollerhöhungen und brachte eine Zollhalbierung für viele chinesische Exporte in die USA. Des Weiteren wird China sehr viel mehr US-Güter kaufen. Dabei handelt es sich insbesondere um landwirtschaftliche Produkte wie Sojabohnen und Fleisch sowie Flüssiggas. Die chinesische Seite verpflichtete sich (wieder einmal) zur Einhaltung ihrer ohnehin versprochenen Marktöffnung für amerikanische Finanzinstitute, zu einem schärferen Schutz geistigen Eigentums sowie dazu, weniger Wissenstransfer von amerikanischen Unternehmen zu fordern. Die Details des Vertrages sind allerdings noch nicht veröffentlicht und es gibt widersprüchliche Aussagen zu den entscheidenden Details. Unwillkürlich fühlt man sich an die Situation vor einem Jahr zurückerinnert. Auch damals herrschte viel Optimismus in der Erwartung, dass die Übereinkunft zwischen dem chinesischen und dem amerikanischen Präsidenten zu einem guten Ergebnis führen würde. Wir alle wissen, es kam 2019 dann ganz anders. Trotzdem reagierten die Aktienmärkte noch einmal leicht positiv und so befinden sich viele Börsenindizes am oder in der Nähe ihrer Höchstkurse.

Betrachtet man die wirtschaftliche Lage und die Aussichten näher, ist der Optimismus immer schwerer zu rechtfertigen. Aber vielleicht sind die Anleger in ihrer Glühweinseligkeit inzwischen so abgestumpft gegenüber all den sattsam bekannten Problemen, dass sie sich alleine vom Anlagenotstand leiten lassen und in die wenigstens noch Erträge bringende Anlageklasse Aktien flüchten.  

 

Hinweise:
Die vorliegenden Informationen sind keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht einem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen...

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