Die Marktmeinung aus Stuttgart: Dickes (Bären-)Fell

Michael Beck

Stuttgart, 19. September 2018

Nun ist sie da – die Eskalation im Handelsstreit der USA mit China. Und es ist noch nicht ausgemachte Sache, dass die EU nicht auch wieder in den Zielfokus des 45. US-Präsidenten Donald Trump gerät. Denn nach wie vor befindet er sich im Wahlkampfmodus vor den Midterm Elections, die Anfang November stattfinden. Dort muss Trump seine Mehrheit im Kongress (2 Sitze) verteidigen, und dafür scheint ihm jedes Mittel recht zu sein. Ungeachtet der mehr als 6000 Eingaben amerikanischer Unternehmen, die vor den schädlichen Folgen der protektionistischen Handelspolitik warnten, eskaliert Trump die Handelszölle mit China. Da China sich wohl nicht in dieser Art und Weise erpressen lässt, dürfte sich die Eskalationsspirale weiter drehen. 

Dennoch bauen wohl viele Investoren auf eine Einigung im Handelsstreit, denn weitere Gespräche sind anberaumt. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Aktienmärkte relativ unbeeindruckt von Trumps Ankündigung im Plus schlossen. Zudem erfreuten positive Wirtschaftsdaten aus Japan die Anleger und die Handelsstreitigkeiten haben noch keinen Niederschlag in den weltweiten Konjunktur-Frühindikatoren gefunden. Im Gegenteil, wenn sich eine Entspannung im Handelsstreit abzeichnen würde und geopolitische Risiken wie jüngst Nordkorea sich weiter abschwächen, könnte mit einer markanten Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten gerechnet werden. Aber wie immer sollte das Fell des Bären nicht verteilt werden, bevor er erlegt ist. Sollte die Einigung ausbleiben, die Weltwirtschaftsleistung beeinträchtigt werden und Schwellenländer endgültig in die Krise gestoßen werden, werden die Bären wohl die Börsenparkette der Welt belagern. Es steht zu hoffen, dass nach den US-Wahlen Anfang November Vernunft im Weißen Haus einkehrt und der bis dahin immens gewachsene Druck der heimischen Wirtschaft auf die Trump-Administration zu für alle Seiten akzeptablen Kompromisslösungen führt. Dann wäre der Weg nach einem Jahr mit vielen Unwägbarkeiten frei für eine idealtypische Jahresendrally.  

Hinweise:
Die vorliegenden Informationen sind keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht einem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen...

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