Die Marktmeinung aus Stuttgart: Der Nebel lichtet sich

Michael Beck

Stuttgart, 30.10.2019

Der Herbst kündigt sich meist dadurch an, dass sich morgens Nebel an Stellen bildet, an denen den Sommer über keine Spur davon zu sehen war. Die atmosphärische Verfassung der Wirtschaftsindikatoren und geopolitischen Risiken war jedoch schon den ganzen Sommer über auf Herbst eingestellt, denn die Daten waren so diffus, dass die Marktteilnehmer ständig im Nebel stochern mussten. Nun lichtet sich der Nebel etwas, denn einerseits scheint klar zu sein, dass die vielfältigen Bremsklötze (z. B. Brexit, US-Handelsstreit) die Wachstumsraten schmelzen lassen, aber zum anderen gibt es gerade in diesen Problemfeldern Entspannungszeichen. Ein harter „No-Deal-Brexit“ wurde verhindert und im Handelsstreit zwischen den USA und China dürfte es wenigstens eine Teileinigung geben, die die Investoren beruhigen dürfte. Aber zwei Schwalben machen noch keinen Sommer, denn die Nebelschwaden wabern immer noch über die Börsenparkette. Ein wichtiger Indikator, der in den letzten Monaten stabil blieb, gibt nun auch nach. Die Kreditvergabe an Unternehmen im Euro-Raum bremst deutlich ab, was auf eine verringerte Wirtschaftstätigkeit schließen lässt. Chinas Wachstum als bisherige Konjunkturlokomotive der Weltwirtschaft befindet sich auf historischem Tiefstand und dürfte die von der chinesischen Regierung anvisierten 6,0 % Wachstum weit verfehlen. Der deutsche Konsument lässt sich von der schlechten Stimmung anstecken und drückt weiter seine Skepsis aus. Keine guten Vorzeichen für das wichtige Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels.

Anders in den USA: Dort zeigt der Konsument Stärke und Optimismus, was sich durch einen auf hohem Niveau befindlichen Verbrauchervertrauensindex manifestiert (Konsum stellt ca. 70 % des US-BIP). Auch der Häusermarkt in den USA zeigt moderates Wachstum, sodass die befürchtete Rezession in den USA zumindest abgeschwächt kommt, wenn nicht sogar vermieden werden kann. Die US-Notenbank Fed dürfte eine weitere Leitzinssenkung von 0,25 % verkünden, und die expansive EZB-Geldpolitik durch die neue EZB-Chefin Lagarde wird wohl unverändert weitergeführt werden. Gute Zeichen für die Aktienmärkte, die dadurch gestützt werden. In Europa wird die Notierung aber auch durch überraschend positive Unternehmensmeldungen unterstützt. Nach der vorangegangenen dichten Börsen-Nebelphase werden diese durch den Nebel dringenden Sonnenstrahlen von den Investoren begierig aufgenommen. Zusätzlich zeigt der jüngst veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindex eine Bodenbildung und deutet keine weitere Verschlechterung der Konjunktur an. Angesichts des historisch niedrigen Zinsniveaus sind Aktien nach wie vor nicht teuer und sogar eher günstig bewertet. Natürlich sind die Unternehmensgewinnschätzungen für das nächste Jahr ambitioniert. Aber selbst wenn sie verfehlt würden, wären Aktien in diesem Zinsumfeld weiterhin günstig bewertet. Die Chancen auf einen ruhigen und sonnigen Herbst an den Aktienmärkten und eine gute Rendite-Ernte sind gestiegen.

 

 

Hinweise:
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