Die Marktmeinung aus Stuttgart: Bewegung in Sicht

Michael Beck

Stuttgart, 03.04.2019

Englands Premierministerin Theresa May besinnt sich auf alte demokratische Tugenden und scheint die endlose Laviererei in Sachen Brexit mit ihren eigenen (Nicht-)Gefolgsleuten zu beenden. Sie ging auf die Opposition zu und versucht nun mit Jeremy Corbyn eine tragfähige Lösung zu finden. Dies wäre natürlich eine fantastische Nachricht für die Finanzmärkte, auch wenn die genaue Ausgestaltung einer möglichen überparteilichen Lösung unbekannt ist. Begleitet von den Fortschritten in den Handelsgesprächen der USA mit China, konnten die Aktienmärkte ihre gute Tendenz des ersten Quartals in das zweite retten. Seit dem 1. April steigen die Kurse weiter und es sieht so aus, als ob der DAX den wichtigen Chart-Widerstand von 11.800 heute knacken könnte. Ob die Charts die Welt retten, darf bezweifelt werden, aber solche Indizien sind in diesen Tagen umso wichtiger, je deutlicher die Wachstumsrevisionen ausfallen. Sowohl der IWF (Internationaler Währungsfonds) als auch die WTO (Welthandelsorganisation) haben ihre Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft sowohl für das abgelaufene (+3,0 statt +3,9 %) als auch für dieses Jahr (+2,6 % statt 3,4 %) deutlicher kappen müssen als erwartet.

So führen die Verbesserungen bei wichtigen politischen Themen dazu, dass derzeit politische Risiken an den Finanzmärkten kaum wahrgenommen werden. Es wäre schön, wenn die Wahlkämpfe für die Europawahl allmählich beginnen würden, denn dafür, dass diese Wahl als „Schicksalswahl“ im Kampf gegen den Populismus apostrophiert wurde, ist es viel zu ruhig an der Wahlkampffront. Die schöne Erholung, die das Jahr 2019 bisher prägte, könnte sich schnell in Luft auflösen, wenn die Wahl des EU-Parlaments zu Konstellationen führen würde, die eine Regierungsbildung erschweren oder gar unmöglich machen könnten. Der Spaltpilz in der EU würde sich vertiefen und die Unsicherheiten hinsichtlich eines Aufflammens der Finanzkrise 2.0 vor allem mit Blick auf Italien würden exponentiell wachsen. Bis dahin jedoch sollten sich die Investoren an den Kursgewinnen erfreuen und sich klarmachen, dass Aktien im (wieder) vorherrschenden Niedrigzinsumfeld einen Anteil entsprechend ihrer Risikoneigung einnehmen müssen.   

 

 

Hinweise:
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