Die Marktmeinung aus Stuttgart: Aufkeimende Hoffnung

Michael Beck

Stuttgart, 09.01.2019

Selten wurden die Hoffnungen auf eine versöhnliche Jahresendrally so enttäuscht, wie in den letzten Handelstagen des Jahres 2018. Anstatt die vorangegangenen Kurskorrekturen an den Aktienmärkten etwas abzumildern, markierten die Kurse neue Jahres-, teils Mehrjahrestiefstände. Wie immer in solchen Phasen starker Kursrückgänge, von denen der ein oder andere bereits als übertrieben angesehen werden kann, treten die Auguren auf den Plan, die den ganz großen Crash beschwören. Dabei befinden wir uns noch nicht in einer Rezession, auch wenn die Wachstumsraten sich weiter abkühlen. In Deutschland ging die Industrieproduktion stärker zurück als erwartet und auch wenn das vierte Quartal einen kleinen BIP-Rückgang ergibt, befindet sich Deutschland zumindest in einer „technischen„ Rezession, was den Umstand beschreibt, dass zwei Quartale in Folge ein Rückgang der Gesamtwirtschaftsleistung zu verzeichnen ist. Im Gesamtjahr 2018 wird noch ein deutliches Plus erwirtschaftet, und die Frage wird sein, inwieweit die negative Kursentwicklung der Aktienmärkte in 2018 Abbild dieser Konjunkturabkühlung war oder ob diese Tendenz weiter Bestand hat.  

Hauptauslöser für die eklatante Stimmungsverschlechterung im vierten Quartal waren die altbekannten drei Themen Handelskrieg, Haushaltstreit in Italien und der ungelöste Brexit-Komplex. Hinzu kamen noch die Geldwesten-Proteste, die das Wirtschaftswachstum in Frankreich im vierten Quartal stark belastete. Diese Proteste haben sich jedoch nach Zugeständnissen des französischen Präsidenten Macron abgeschwächt und im italienisch-europäischen Haushaltsstreit wurde kurz vor Jahresende ein Kompromiss erzielt, der ein Defizitverfahren verhindert. Bei den anderen beiden Themen scheinen sich ebenfalls leichte Aufhellungstendenzen einzuschleichen. So langsam scheint es dem US-Präsidenten Trump zu dämmern, dass entgegen seinen Aussagen ein Handelsstreit nicht zu gewinnen ist und es eben nur Verlierer auf beiden Seiten geben wird. So twittert er nun Zuversicht, dass eine Einigung in Sicht sei und die Gespräche wurden von den Delegationen in der Tat aufgenommen. Die Aktienmärkte reagierten sofort positiv und erreichten mehrwöchige Hochs. Diese Einigung ist auch Voraussetzung für eine weitere Normalisierung der Lage und Verhinderung der zunehmenden Belastung der weltweiten Handelstätigkeiten und drohenden Abgleitens der Weltkonjunktur in eine Rezession. Und beim letzten wichtigen Thema, dem Brexit, scheint es auch ein „Dämmern“ zu geben, denn immer mehr britischen Protagonisten scheint klar zu werden, was ein harter Brexit bedeuten würde und welche immensen wirtschaftlichen Nachteile damit verbunden sind. Es gab bereits veritable Verlagerungen von Vermögenswerten von UK nach Europa und mehr als 75% der britischen Unternehmen rechnet mit massiven Problemen im Warenhandel. Es mehren sich die Anzeichen, dass es eine Verschiebung oder sogar ein neues Referendum geben könnte. Dies steht aber noch in den Sternen und bis hier Klarheit herrscht werden aufkeimende Hoffnungen und Konjunktursorgen abwechselnd die Aktienmarktentwicklungen bestimmen.

Hinweise:
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