Die Marktmeinung aus Stuttgart: „America first, but not der Dollar“

Helmut Kurz

Stuttgart, 22. August 2018

Dies scheint das Motto der US-Regierung unter Präsident Trump zu sein. Während auf der einen Seite Steuersenkungen und Deregulierung wie versprochen und gewünscht zu einem beeindruckenden Wirtschaftsboom geführt haben, gefährdet nun der genau deshalb gestiegene US-Dollar diese Erfolge und wirkt der neuen, Auseinandersetzung nicht scheuenden Handelspolitik der jetzigen Administration entgegen. Diese soll ja das seit Jahrzehnten bestehende chronische Handelsbilanzdefizit abbauen helfen. Das Endziel ist der Wegfall sämtlicher aus Sicht der USA bestehenden Handelshemmnisse, vor allem in China. In der Tat hilft es der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit wenig, wenn 10 % Importzoll durch eine zehnprozentige Aufwertung des US-Dollars wieder konterkariert werden. So nimmt es denn nicht Wunder, dass der US-Präsident nun zum zweiten Mal – wenn auch verhaltene – Kritik an der US-Zentralbank geübt hat.

Doch was kann gegen den steigenden Dollar unternommen werden? Die US-Notenbank ist unabhängig und hat schon anklingen lassen, dass sie auf diese Wünsche (nach einem Stopp der Zinsanhebungen) nicht eingehen wird. Die US-Wirtschaft erfordert eine restriktivere Geldpolitik, gerade wegen der unter Präsident Trump zunehmenden Staatsverschuldung. Erfahrungsgemäß nimmt die amerikanische Notenbank erst dann Rücksicht auf internationale Verwerfungen, wenn diese dazu führen, der amerikanischen Wirtschaft nachhaltig zu schaden. Doch davon kann zurzeit noch keine Rede sein. Schon gar nicht, wenn man auf die herausragende Entwicklung der amerikanischen Aktien schaut, die dieses Jahr bis jetzt alle Märkte außer Saudi-Arabien und Israel hinter sich gelassen haben.

Kann es ähnlich wie unter der Präsidentschaft von Reagan in den achtziger Jahren wieder eine internationale Übereinkunft gegen die (damals noch mehr) überbewertete US-Währung geben? Einen neuen „Plaza-Akkord“ zur Schwächung des Dollars wird es angesichts der Vorwürfe Trumps, die EU und China würden ihre Währungen manipulieren, kaum geben.

Realistischerweise bleiben nur zwei Optionen: Die erste, Verbalinterventionen, wird bereits praktiziert. Die zweite wären Interventionen der USA am Devisenmarkt. Weil in den USA nicht die Notenbank, sondern das Finanzministerium dafür zuständig ist, liegt diese Möglichkeit im Gegensatz zur Notenbank in der Weisungsbefugnis des Präsidenten. Beide Maßnahmen würden zwar den Trend zu einem steigenden Dollar nicht alleine umkehren können. Sie würden aber zumindest psychologisch wirken und das Ausmaß des Kursanstieges dämpfen. Eine Trendwende beim US-Dollar wird es erst geben, wenn die US-Wirtschaft in ihrer Dynamik relativ zu den anderen Ländern nachlässt.

 

 

Hinweise:
Die vorliegenden Informationen sind keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht einem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen...

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