Die Marktmeinung aus Stuttgart: Abkoppelung missglückt

Michael Beck

Stuttgart, 28. März 2018

Die allgemeine Erwartung zu Beginn des Jahres 2018 war, dass der DAX sich von den US-Aktien abkoppeln kann. Dies tut er denn zurzeit auch, aber leider anders als gedacht. Die Hoffnung lag darin begründet, dass, wenn die sehr hoch bewerteten US-Aktien in einem Umfeld steigender Zinsen nachgeben, die niedriger bewerteten europäischen Aktien in einem Umfeld starken Wirtschaftswachstums sich besser halten und evtl. entgegen sinkenden US-Kursen ihre Februar-Verluste wieder ausgleichen können. Wie so oft lassen sich die Märkte nicht von schlüssig vorgetragenen Szenarien beeindrucken. Nein, ein in der Welt relativ unbeliebter und fachfremder US-Präsident schafft es mit seiner erratischen und viele Bündnispartner vor den Kopf stoßenden Politik, den Spieß umzudrehen. Einerseits zwingt er mit seinen drastischen Zinsmaßnahmen die Konkurrenten weltweit zu Konzessionen, anderseits schwächt er mit seinem Personal-Chaos im Weißen Haus die US-Währung. Als Folge verlieren europäische Aktien sowohl aus Angst vor einem Handelskrieg als auch aus Angst vor Wettbewerbsnachteilen infolge eines zu starken Euros Tag für Tag weiter an Wert. Der deutsche Leitindex scheint sich unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 12.000 Punkten einzunisten.

Dabei sollte der Euro doch eher an Wert verlieren. Die jüngsten Konjunktur- und Stimmungsdaten aus Europa waren nicht mehr so ganz zufriedenstellend wie in den Monaten zuvor. Dies mindert den Druck für die EZB, ihre Geldpolitik zu zügig restriktiv zu gestalten. Bis die Märkte diese Zusammenhänge wahrnehmen und die Vorteile eines tendenziell schwächeren Euros erkennen, lassen sie sich leider von den negativen Vorgaben anderer Märkte anstecken. So wie gestern, als der Technologiesektor in den USA im Gefolge der Facebook-Krise massiv unter Druck geraten ist und sich die europäischen ebenso wie die asiatischen Aktienmärkte in tiefrotes Terrain begeben haben.

Wie immer nach solchen Korrekturen treten nun die Chart-Techniker auf den Plan und warnen vor einem endgültigen Ende der jahrelangen Hausse-Bewegung. Man könnte dies als übliches prozyklisches Verhalten abtun, leider sind immer mehr Handelsaktivitäten von automatisierten Systemen und Algorithmen bestimmt. Aus diesem Grunde sollten diese charttechnischen Unterstützungsmarken beachtet werden. Je stärker die Übertreibungsphasen nach unten jedoch ausfallen, desto eher ergeben sich für den langfristig denkenden und antizyklisch ausgerichteten Investor Kaufgelegenheiten.  

 

Hinweise:
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